Dienstag, 22. März 2011

Zwischenseminar

Gunjur -Benna Kunda
and
Tujereng- Art Village


Am Donnerstag den 17.03 bin ich mit Valerie und Jonas und insgesamt viel Gepäck nach Gunjur zum Zwischenseminar gefahren.
Richtig viel Lust hatten wir eigentlich alle nicht, denn wie ja alle wissen, gefällt uns unser Leben in Gambia mehr als nur gut und somit wussten wir gar nicht richtig, was uns so ein Seminar bringen soll.
Wie dem auch sei, erst einmal ging es für 5 Dalasi mit dem Taxi nach Westfield. Von dort aus mit dem Buschtaxi für ebenfalls 5 Dalasi zur Dippa Garage. Dort angekommen haben wir die großen Buschtaxis gesucht, die nach Gunjur fahren. Für die Fahrt musste jeder 18 Dalasi zahlen zuzüglich 10 Dalasi, weil wir so viel Gepäck hatten.
Im Minibus sitzend haben wir die vielen Verkäufer begutachtet, die mit den verschiedensten Leckereien an unseren Fenstern vorbeiliefen. Als die Fahrt losging waren wir für die kommende Stunde gut versorgt mit Kuchen, Hefeteilchen und Wasserpäckchen =)
An der Garage in Gunjur wurden wir dann von zwei Seminarbegleiterinnen abgeholt Die waren über unser vieles Gepäck überrascht und wir, weil wir nicht, wie gedacht, mit einem Auto abgeholt wurden. Schließlich mussten wir einen 20 minütigen Fußmarsch zum Seminar-Compound „Benna Kunda“ durchstehen.
Schwitzend und außer Atem kamen wir auf dem Gelände an. Wir hatten bereits eine kleine Vorahnung, dass die Unterbringung sehr einfach gehalten sein soll. So war es dann auch: Weder fließend Wasser noch Strom. Dafür aber ein Lagerfeuer, Brunnen, Außentoilette und Aussendusche. Letzteres natürlich ganz afrikanisch mit Wellblech und Palmenblättern vor unerwünschten Zuschauern geschützt. Ganz un- afrikanisch war dann allerdings die Porzellantoilette die man anstelle eines Lochs im Boden vorfand =)
Das Ganze war dann letztendlich viel unspektakulärer als es anfänglich aussah. Im Gegenteil: Wann kann man schon behaupten, morgens mit Vogelgezwitscher unter freiem Himmel geduscht zu haben? Außerdem war das Wasser aus dem Brunnen angenehm erfrischend und ließ einen etwas wacher in den Tag starten.
Geschlafen haben wir auch in ganz einfachen Lehmhütten, in die sich nächtlich Salamander, sonstige Echsen und sicherlich auch ein paar Spinnen verirrt haben. Dank meines Moskitonetzes um mein Bett, war mir das relativ egal! Einer Schlange ist bis Sonntag Nachmittag keiner von uns begegnet, wahrscheinlich weil wir im Vorfeld darüber informiert wurden auch nachts mit lauten Schritten die „Toilette“ aufzusuchen um alles Getier zu verscheuchen.
Um das Gelände in kurzen Worte zu beschreiben: Natur-Pur! Viele Bäume, Palmen und Sträucher, Wald und in 10 Minuten Entfernung das Meer.
Wir (Jonas, Valerie, Ich, 4 weitere Freiwillige und 3 Seminarbegleiter) haben jeden Tag gemeinsam gefrühstückt, zu Mittag oder zu Abend gegessen. Entweder wurden wir vom benachbarten Compound bekocht, haben selbst gekocht oder ein paar Tapalapa (eine Art Baguette) mit Eiern, Kartoffeln, Zwiebeln etc. vom Shop gekauft.
Den Donnerstag, Freitag und Samstagmittag haben wir in Benna Kunda verbracht. Mit typischen Seminarspielen und Warm ups wie „lebendige Landkarte“ oder „Evolution“ konnten wir uns untereinander kennenlernen und nach jeder längeren Pause wach in eine neue Seminareinheit starten. Themen waren unter anderem unsere bisherigen Highlights und Low-Lights in Gambia, Family and Village Structures, Racism und die verschiedenen Traditionen der einzelnen Stämme und wir wir mit diesen bisher in Konflikt geraten sind.
Am Samstagnachmittag sind wir dann mit dem Buschtaxi nach Tujereng zur Projektstelle „Art Village“ einer der Freiwilligen gefahren und sollten dort die restliche Zeit bis zum Seminarende verbringen.
Das Art Village ist das zu Hause und die Arbeitsstelle von einem gambianischen aber international bekanntem Künstler namens Etu, den wir noch am gleichen Tag persönlich kennenlernen durften und der uns dann noch ausführlich über die Entstehungsgeschichte seines „Art Village“ berichtet hat.
Das Gelände bestand aus fast ausschließlich Natur und vieler seiner Kunstwerke und Skulpturen. Sogar die Häuschen in denen wir geschlafen haben, wurden aus Materialien errichtet, die lokal zur Verfügung stehen.
Weder mit Worten noch mit Fotos lässt sich beschreiben, wie das Gelände aussah. Es hatte jedenfalls etwas märchenhaftes und verwunschenes an sich!
Am Samstagabend sind wir ins Dorfinnere von Tujereng und sollten an einer kostenlosen open air Filmveranstaltung von Etu teilnehmen. Leider gab es wie immer und überall das bekannte Problem, dass der Beamer und Laptop nicht miteinander harmonieren wollten. 2 Dvd Player, ein Fernseher und 1,5 Stunden später, liefen die Filme endlich auf der Leinwand. Der erste Film war ein Kurzfilm von Etu und hieß „Walk me to school“. In diesem wurde ein gambianisches Mädchen vom Aufstehen bis zum Ende des Schultages von einer Kamera begleitet.
Der zweite Film „Retour à Gorée“ handelte von einem senegalesischen Sänger auf der Suche nach amerikanischen Musikern mit afrikanischen Wurzeln. Diese sollten dann mit ihm, Youssou n`dour, eine Art Gedenkkonzert auf der Insel Goree halten. Hier wurden vor Jahrzehnten tausende von Sklaven nach (Latein-) Amerika verschifft.
Am Sonntag gab es keine Seminareinheit, dafür aber einen Ausflug nach Kartong in die Reptile Farm. Diese Farm ist ein gemeinnütziges Aufklärungsprojekt und soll den Einheimischen ihre Angst vor Schlangen nehmen. Sie soll aufzeigen, dass diese Reptilien von Natur aus den Mensch meiden und lediglich angreifen wenn sie Gefahr verspüren, also in der Regel dann, wenn der Mensch aus Angst versucht die Schlange umzubringen!
Laut Aussage der Führerin, werden die Schlangen nicht lange in den Käfigen gehalten, sondern nach ein paar Monaten wieder in die Natur entlassen und durch eine neue eingefangene Schlange ersetzt usw.
Mein Highlight hier: Eine Königspython auf meinen Schultern =)
Nach der ca. 20 minütigen Führung haben wir noch dem Gambia River einen kurzen Besuch abgestattet. Jonas und Ich haben uns die nahe gelegenen Hütten angeschaut, in denen frischer Fisch geräuchert wurde. Es war nicht nur super interessant endlich mal zu sehen, wie dass gemacht wird, der Fisch hat zudem noch seeeeehr gut geschmeckt.
Daraufhin sind wir runter zum Meer gefahren und haben den Fischern und Frauen dabei zugeschaut, wie Netze gesponnen und Fisch ausgenommen wird. Wie überall in Gambia waren auch hier etliche Kinder um uns herum und wollten Mintis (Süssigkeiten), Geld oder einfach nur auf ein Foto drauf =)
Schließlich sind wir weiter zu einer Lodge am Meer gefahren um etwas zu Mittag zu essen.
Auf dem Rückweg zum Art Village haben wir noch den Compound unseres Fahrers besucht. Ein Junge aus der Familie ist für uns eine Kokos-Palme rauf geklettert und hat uns Kokosnüsse gepflückt und geöffnet. Des Weiteren durften wir seine Cashew- Farm besichtigen, ein weiteres Highlight des Ausflugs. Zum einen fand ich es total spannend, endlich mal vor einem Cashew- Baum zu stehen, genauso wie ich es spannend fand als ich zum ersten Mal hier in Gambia einen Mangobaum gesehen habe. Das wäre wie, wenn man das ganze Leben lang Äpfel gegessen hat, aber noch nie einen Apfelbaum gesehen hätte! Einfach ein unbeschreiblich komisches Gefühl....jedenfalls weiß ich jetzt, warum Cashew-Nüsse so teuer sind!! Jede Nuss muss einzeln vom Baum gepflückt werden und sooo viele sind da nun wieder auch nicht dran. Was ich vorher ebenfalls nicht wusste, ist, dass an der Cashew-Nuss noch eine gelbe oder rote Frucht dranhängt, die unglaublich süß und erfrischend lecker schmeckt!!!
Am Montag haben wir nach dem Frühstück noch eine etwas längere Einheit über Entwicklungszusammenarbeit und globales Lernen gemacht. Diese Themen haben mich sehr interessiert, nur leider hat die knappe Zeit keinen Raum für weitere Diskussionen geboten.
Um ungefähr 13 Uhr sind Valerie, Jonas und ich aufgebrochen und nach einer schnellen Rückreise gut in unserem zu Hause in Fajara angekommen.
Unser Kater Pepo hat uns direkt miauend, aber vorwurfsvoll begrüßt und ist den restlichen Tag und Abend nicht mehr von unserer Seite gewichen =)

Im Folgenden noch ein paar Impressionen!


Bis bald und liebe Grüße!

Eure Janina

Moderne Busch-Toilette





The Art Village

Schlafhäuser im Art Village

Gambia River und die "Grüne Grenze" zum Senegal

Haus in dem der Fisch geräuchert wurde

Fisch wird geräuchert

Strand in der Nähe und keine Menschenseele

Ich bei den geräucherten Fischen

Ich mit einer Königspython in der Reptile Farm

Ich mit Kindern am Strand





FACE-Project

Hallo an Alle,
nachdem ich im Vorfeld immer wieder das FACE-Project erwähnt habe, möchte ich im Folgenden ganz kurz zusammenfassen wie und was ich miterleben durfte.

Vom 24.02.11 bis zum 06.03.11 besuchte uns ein deutsches Team aus Ärzten und Helfern in der Clinic. Zwei plastische Chirurgen, ein Anästhesist, ein Internist, ein Dermatologe und zwei OP-Helferinnen. In 7 Tagen sollten insgesamt 34 große und kleine Patienten operiert werden. Hauptsächlich Lippen- und Gaumenspalten und verschiedenste Gesichtstumore.
In den Wochen und Monaten vor dem Projekt wurden die Patienten registriert. Wir drei Freiwiligen waren während des Projektes dafür verantwortlich die Patienten aufzunehmen, sie auf die OP´s vorzubereiten, nach den OP´s zu überwachen, Verbände zu wechseln und die Wunden zu reinigen. Wir waren also von 8 Uhr morgens bis Abends voll eingespannt. Da wir insgesamt auf der Station nur 8 Betten zur Verfügung hatten, wurde ein extra Raum freigeräumt, um dort Kinderbetten aufzustellen.
Für den 25.02. wurden alle Patienten in die Clinic bestellt. Morgens wurden alle Patienten nach und nach durch das Ärzteteam gesichtet und gleichzeitig der OP-Plan für die nächsten 7 Tage geschrieben. Zuerst sollten alle Kinder operiert werden, dann die Erwachsenen. Für den Nachmittag am selben Tag waren 4 Operationen angesetzt. Es wurden zwei kleinere Lippenspalten, eine Ohrmuschelanpassung und eine Zyste am Hals operiert. In den nächsten 6 Tagen wurden dann von Morgens bis Abends die 30 anderen Patienten operiert. Unter anderem wurde ein 4 Monate alter Junge mit einer doppelten Lippen und Gaumenspalte operiert. Zur Zeit liegen noch 2 Patienten bei uns stationär zur weiteren Behandlung und Wundversorgung. Im Großen und Ganzen verlief das Face-Projekt sehr erfolgreich. 

Natürlich habe ich auch viele interessante Vorher-Nachher- Fotos gemacht. Allerdings möchte ich diese zum Schutz der (kleinen) Patienten nicht im Internet veröffentlichen. 

Jonas beim Dressing einer 15 Jahre alten Wunde eines alten Mannes.

Verbandswechsel eines Jungen nach Korrektur einer Lippenspalte

Valerie und Ich bei einer Pause im Store

Jonas und Ich beim Verbandswechsel

Überwachung eines 4 monate alten Babies, dem ein Tumor aus dem Arm/Schulterbereich entfernt wurde.
 

Liebe Grüsse,
eure Janina 

Montag, 14. Februar 2011

Fotos zur E-Mail

Hallo ihr Lieben,

wie versprochen findet ihr hier die Bilder zu meiner E-Mail.
Bis bald,

Janina =)

Frauen Station

Links Eingang; geradeaus Durchgang zum "Kreissaal" bzw. Delivery Ward

Emergency Bag für die Erwachsenen

Meine verschwundene Checkliste

Nochmal die Notfalltasche mit Ambubeutel

Trennfächer für die wichtigsten Formulare

Beschrifteter Schreibtisch

Schubladen mit System =)

Flächendesinfektion

Ich mit Zwillingen (zwei süsse Mädchen)

Auf diesen zwei Betten entbinden wir hauptsächlich!


In diesen Inkubator kommt JEDES Baby rein =)

Hier werden die Babies nach der Geburt gebadet, gewogen und angezogen
Waschschüüsel für die Babies an der Wand befestigt =)

Ecke in der die Bettpfannen gereinigt werden und das Sterilgut

Hier  lernt man die Existenz einer Fäkalienspüle zu schätzen !!!!

Dienstag, 18. Januar 2011

Farato....or in the middle of nowhere!


Sitzen vorm Haus



"Toilette"

Brunnen

Auf dem Eselskarren




Schwimmen im Gambia River


Jetzt ist es schon wieder eine Weile her, dass ich geschrieben habe und somit Zeit für einen neuen Bericht.
Letztes Wochenende konnte ich einen Einblick in die Lebensverhältnisse einer einheimischen Familie aus dem Dorf bekommen.
Am Samstagnachmittag haben uns zwei unserer Freunde, Yousouf und Buba, zu ihrer Familie in den kleinen Ort Farato mitgenommen.
Die Fahrt hat ca. eine Stunde gedauert. Erst sind wir mit dem normalen Taxi für 5 Dalasi (ca. 12 Cent) bis nach Westfield gefahren und dort in ein Buschtaxi Richtung Brikama eingestiegen. An Lamin vorbei sind wir dann nach bestimmt 25 minütiger Fahrt für 10 Dalasi pro Kopf in Farato angekommen.
Dann sind wir noch ca. 5 Minuten bis zum Compound der Familie gelaufen und schliesslich angekommen.
Man merkt sofort, dass das der Alltag hier anders abläuft, als in der Gegend wo wir wohnen.
Die Familie ist ziemlich gross, sodass wir eigentlich nicht mehr einen genauen Überblick hatten, wer wessen (Bluts-)Bruder, Vater, Onkel oder Schwester ist. Jeder scheint jeden zu kennen und die Familie ist im ganzen Ort verstreut.
Der Compound hat weder fliessend Wasser noch Strom. Was das bedeutet, merkt man eigentlich erst, wenn man darauf angewiesen ist. Abends muss man sich eine Kerze oder Taschenlampe suchen um den Weg oder seine Sachen zu finden. Wasser für Tee kocht man sich auf Grillkohle. Zum Zähne putzen habe ich abgepacktes Trinkwasser vom Shop genommen und zum „Duschen“ haben wir uns Wasser aus dem Brunnen geholt. Dementsprechend gab es auch keine westliche Toilette. Dafür konnte man in der hintersten Ecke im Hof, umzäunt von Wellblech, ein Loch im Boden finden, daneben zwei Steine um die Füsse zu plazieren =)
Wir sassen noch den ganzen Abend und die halbe Nacht mit Familie und Freunden draussen vorm Haus, haben einen anderen Bekannten in der Gegend besucht und gegen 01:00 Uhr haben wir dann entdeckt wo wir unsere Nacht verbringen werden: Auf dem harten Wohnzimmerboden!! Wie gut, dass ich einen dicken Pullover und mein Schlafsackinlay mitgenommen hatte!
Nichts desto trotz war die Nacht ziemlich kalt und unbequem. Umso schlimmer, als ich irgendwann ziemlich dringend auf Toilette musste. Ich beschloss, dass das erst mal warten muss, ich hatte nämlich keine Lust im Dunkeln, mitten in der Nacht die „Toilette“ auf dem Hof zu suchen, geschweige denn irgendwelchem Krabbelgetier zu begegnen!
Um ca. 11 Uhr sind wir aufgestanden. Valerie und Ich haben uns direkt in Richtung „Toilette“ begeben. Zu Blöd, dass meine Blase immer noch bis oben voll war und ich noch nie wirklich zuvor so eine „Toilette“ benutzt habe. Von überall her hat man Leute sprechen gehört und das Wellblech hat wegen der vielen Löcher seine Sichtschutz-Funktion nicht mehr richtig erfüllt. Beim zweiten Anlauf hat es dann zum Glück geklappt :D
Zum Frühstück gab es Porridge. Das sieht ein bisschen aus wie Milchreis und besteht aus Reis, Zucker, Salz und pürrierten Erdnüssen.
Yousuf wollte uns dann ins nächst gelegene Dorf führen, welches noch abgelegener ist und direkt am Gambia River liegt.
Für 200 Dalasi hat uns ein Mann mit seinem Eselskarren mitgenommen. Der arme Esel hat ständig vom Besitzer mit dem Stock Schläge abbekommen und immer wieder haben Valerie und Ich ihn darum gebeten, das doch bitte sein zu lassen. Der Satz des Tages: „Dont beat the donkey!!“
Nach noch nicht mal halber Wegstrecke bin ich abgestiegen und den Rest gelaufen. Das Tier war nicht mehr das Jüngste und sollte 6 Leute hinter sich herziehen!! Irgendwann ist der Besitzer auch abgestiegen und wir haben den Wagen an schweren Stellen von hinten angeschubst.
Nach gefühlten 2 Stunden durch das tiefste Buschland sind wir endlich am Gambia River im Ort Bafo Loto angekommen.
Nach kurzem hin und her überlegen, ob wir im Fluss schwimmen sollen oder lieber nicht (Krokodile??? Bilharziose??), haben die Mittagshitze und die Strapazen der Fahrt überwogen! Klamotten runter und rein ins kühle Nass.
Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich irgendwann einmal in DIESEN Fluss springen und zwischen all den Mangroven schwimmen würde =)
Dann haben wir noch 45 Minuten in der Sonne getrocknet und mussten uns (diesmal alle) zu Fuss auf den Rückweg machen. Die Reise wollte und wollte nicht enden und wir hatten leider kein Wasser mehr. Irgendwann kamen wir eeeendlich an und haben einen Shop gefunden, der Wasser verkauft. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal solch einen Durst hatte, jedenfalls habe ich erst einmal ein 500ml Wasser Trinkpäckchen mit einem Zug geleert!!
Wir haben noch bei der Familie zu Abend gegessen (…........Reis mit getrocknetem Fisch) und dann sind wir um ca. 19 Uhr zurück nach Serrekunda, Fajara gefahren.
Um ca. 21:00 Uhr kamen wir stinkend und dreckig zu Hause an. Auf der Fahrt haben wir die ganze Zeit gehofft, dass zu Hause kein Stromausfall ist, wenn wir ankommen und ob genügend Wasser aus dem Hahn kommt.Wie schön, als wir feststellen konnten, dass alles gegeben war =)))
Die darauffolgende Nacht habe ich so gut wie schon lange nicht mehr geschlafen, ich habe sogar morgens das „Allah uh Akbar“, das Gebet der Moslems, nicht aus den Lautsprechern wahrgenommen!

Das wars dann auch schon wieder. Diese Woche habe ich Spätdienst und werde nicht viel unternehmen können.

Ci kanam (see you soon),

Janina


Ein Mädchen vom Compund fand uns "Weisse" so interessant, dass sie beinahe das essen vergessen hätte =)




Dienstag, 28. Dezember 2010

It's Christmas...isn't it ??

Heute ist der 27. Dezember und Weihnachten somit fast schon wieder vorbei.
Wie versprochen, werde ich in diesem Blogeintrag meine Erlebnisse von Weihnachten bei 33 Grad in einem muslimischen Land schildern.
In richtige weihnachtliche Stimmung bin ich im Grossen und Ganzen nicht wirklich gekommen. Hier und da hat man mal einen geschmückten Plastiktannenbaum gesehen oder auch bunte Girlanden, die aber eher an Fasching erinnerten =)
Auf der Arbeit haben wir immer Radio laufen und somit kam ich die letzte Woche sogar in den Genuss von Weihnachtsmusik. Ebenso in unserem Internetcafé „La Parisienne“.
Ziemlich cool fand ich unser Christmas-get-together am Dienstag in der Clinic. Ab 14 Uhr haben sich alle Mitarbeiter an der Aufnahme versammelt und es gab Softdrinks und deutsche Süssigkeiten. Ein Pfleger hat erst ein Gebet für alle moslemischen Mitarbeiter gesprochen und eine andere Schwester ein Gebet für alle christlichen Mitarbeiter. Und schliesslich wurde gewichtelt. Die Wichtelgeschenke wurden alle von der Clinicleitung eingekauft und von uns dreien eingepackt. In Deutschland wäre es vielleicht eine Strafarbeit gewesen 47 Geschenke einpacken zu müssen, hier war es jedoch nicht weiter schlimm, weil wir somit noch ein bisschen mehr in Weihnachtsstimmung kamen. Die Wichtelgeschenke waren eigentlich das Beste: Gebetsteppiche, Tabblets, Cappuccino-Pulver, Öllampen, Rattengift, Thermoskannen, Wandbilder, Plastikblumensträusse, Gläser und vieles mehr. Das teuerste Geschenk hat eine der Reinigungskräfte gewonnen, nämlich ein Handy!!! Nachdem alle gewichtelt hatten fingen dann die Tauschgeschäfte untereinander an. Denn wofür braucht eine Christin einen muslimischen Gebetsteppich ? :D
Jeder Mitarbeiter hat zudem einen Gutschein für ein Mittagessen vom Hähnchenwagen bekommen, der kurz darauf angerollt kam. Nach knapp 2 Stunden hat sich dann die Feier so langsam aufgelöst....
Am Mittwoch sind Jonas, Valerie und Ich los und haben im Kairaba Shopping Center Nikolausmützen und 3 von den schicken Girlanden ergattert.
3 von  4  Babies, denen ich an diesem Tag auf die Welt geholfen habe =)

Christmas-get-together in der Clinic

Ich bei der Erstversorgung

It's a boy !!!
Mosquitoattacke- Jonas' erster Kommentar: "Da ist bestimmt Malaria dabei!" ;)

Wäsche waschen :-S

Vorbereitung in der Badewanne
Bijilo Monkey Forest



24. Dezember

Unsere Weihnachtsecke

Frisch ausgepacktes Weihnachtsgeschenk: Eine leuchtende Plastiktanne =)

Heiligabend mit Kartoffelsalat und Würstchen

Ich, Jonas, Valerie am 24. Dezember
Mit meiner Lichterkette aus Deutschland, 2 Papieradventskalendern, einer Topfpflanze aus dem Garten und einem selbst gebastelten Stern war schnell unsere Weihnachtsecke im Wohnzimmer gestaltet.
Einen Tag vor Heiligabend hatten wir dann einen Weihnachtsnachmittag mit unseren beiden Cheffinen bei uns zu Hause. Es hab Orangensaft, Schokoladenkuchen und echten deutschen Christstollen =)
Am 24. Dezember mussten wir alle von 08:00 Uhr bis 14:00 Uhr arbeiten und als ich morgens alleine mit meinem Kakao im Wohnzimmer sass hatte ich zum ersten Mal ein kleines bisschen Heimweh. Das verging aber spätestens als ich Mittags in der Sonne am Strand lag =) Bis zum Sonnenuntergang sind wir geblieben und dann ab in den Supermarkt um unser Abendessen einzukaufen: Kartoffelsalat mit Frankfurter Würstchen =) Hat sehr gut geschmeckt und mich der Heimat ein wenig näher gebracht. Meine Weihnachtsgeschenke aus Deutschland hatte ich im Koffer mit her gebracht und somit hatte ich abends auch was zum auspacken. Meine Familie hat am Telefon zugehört, als ich ausgepackt habe und anders herum. War sehr schön, auch wenn die Telefonrechnung diesen Monat sicher sehr teuer wird :-S
Wir hatten beschlossen am 24. Dezember zu dritt was zu Hause zu machen und somit verbrachten wir den restlichen Abend und die ganze Nacht bis 06:00 Uhr morgens mit lustigen Gemeinschaftsspielen und ein paar alkoholischen Getränken :D
Den 26. Dezember habe ich erst mal bis 14 Uhr verschlafen....Um 16:00 Uhr hatte ich dann ein Skype-Date mit meiner gesamten Familie, was richtig gut getan hat =)
Abends haben wir dann unsere engsten Freunde eingeladen und gemeinsam afrikanisch gekocht, Musik gehört und DVD geschaut.
Heute haben wir wieder ausgeschlafen und dann mit unseren Freunden, die bei uns geschlafen haben, einen Mix aus afrikanischem Frühstück und selbst gemachten Crèpes gehabt. Um 13 Uhr bin ich zum Strand, diesmal alleine, ja und in diesem Moment schreibe ich euch den Bericht.
Heute Abend um 19:30 Uhr sind wir noch bei unseren Chefinnen zu Hause zum Abendessen eingeladen und morgen ist Weihnachten schon wieder rum.
Zusammenfassend würde ich sagen, es war das komischste Weihnachten, dass ich bisher hatte....traurig, weil meine Familie nicht dabei war, aber auch ziemlich lustig, vor allem die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Im Endeffekt eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte =)
Was wir an Silvester machen steht, glaube ich, noch nicht fest. Ansonsten muss ich ab morgen wieder arbeiten.
Wir sind jetzt alle fest im Dienstplan eingerechnet und somit habe ich ab sofort immer eine Woche Frühdienst und eine Woche Spätdienst, sowie hin und wieder eine Woche Nachtdienst.
In der Clinic finde ich mehr und mehr meinen Platz und lerne auch Sachen die ich in Deutschland noch nicht gemacht habe, zum Beispiel Zugänge zu legen. Was man hier sicher auch lernt, ist kreativ zu werden, denn viele grundsätzliche Arbeitsmaterialien, sei es nur ein sauberer Putzlappen oder ein Einmalwaschlappen, stehen nicht zur Verfügung. Auch sterile Braunülenverbände gibt es nicht!
Aber dazu werde ich nach ein paar weiteren Wochen noch einen seperaten Blogeintrag verfassen.
Was auf jeden Fall feststeht: An mir ist wirklich eine Hebamme verloren gegangen. Da wir zur Zeit nur wenige Patienten haben (denn die Malariasaison ist erst Mal bis zur Regenzeit ab Juni „vorbei“), stehe ich meistens nebenan im Kreißsaal und helfe bei der Entbindung und bei der Erstversorgung der Babies :D

Na gut, dann wünsche ich allen erst ein Mal einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!

Bis nächstes Jahr =)

Eure Janina